Freitag, 10. September 2010

Alpencross 2010 - 2. Etappe : Mayrhofen - Sterzing: Auf steinigem Weg

Startzeit:9:23 Uhr
Ankunftszeit:17:55 Uhr
Fahrzeit:5 h 41 min
Distanz:68,9 km
Überwundene Höhe:1701 hm

Heute lassen wir uns wieder halb acht wecken. Ich bin wirklich hochgeschreckt, als das Handy gepiept hat, obwohl ich das Gefühl habe, kaum geschlafen zu haben. Nach der Etappe gestern liegt mein Ruhepuls immer noch bei gefühlten 140. Auch Jens hat sich nach eigenen Angaben im Bett gewälzt wie ein Propeller.

Aufbruch zur zweiten Etappe
Nach einem guten Frühstück im Hotel Victoria starten wir wieder gegen halb zehn. Der erste Kontakt mit dem Sattel ist zugegebenermaßen recht schmerzhaft. Hoffentlich gewöhnt sich das Gesäß noch dran.

Die ersten Kilometer auf dem Hochsteg im Zillertal gehen straff bergan. Das ist auch gut so. Schließlich wollen wir von heute 650 m ununterbrochen bergauf auf den höchsten Punkt unserer Tour, dem Pfitscher Joch auf 2250 m. Nach ungefähr acht Kilometern haben wir dann auch tatsächlich unsere erste Tragepassage. Aber nicht weil es so steil war, sondern weil auf der Straße gebaut wird und wir unsere Räder und Rucksäcke zwischen Felswänden und Baumaschinen durchhieven müssen.

Trail zum Schlegeisspeicher

Kurz hinter Ginzling fahren wir dann abseits der Straße entlang ausgeschilderter Wanderwege. Auf dem Adlerweg zwischen Ginzling und Breitlahner und dem Wanderweg zum Schlegeisspeicher kommt auf jeden Fall richtiges Mountainbike-Feeling auf. Bei 1650 hm geht es dann ein paar pulstreibende Serpentinen hinauf zum Schlegeisspeicher, einem Stausee, von dessen klarem türkisfarbenen Wasser wir schwer beeindruckt sind.

Nach dem Schlegeisspeicher wird der Aufstieg zum Pfitscher Joch auf der Karte zur gestrichelten Linie. Das heißt für MTB-Technik-Greenhörner wie uns: Rad in die Hand und schieben.
Steil und steinig der Weg zum Gipfel
Irgendjemand hat dort auf den schönen Weg ein Haufen Steife hingekippt. Stellenweise versuchen wir zwar, uns in unserer bescheidenen Technik zu üben, aber die meisten der 400 hm schieben wir. Immerhin werden wir von den meisten der vielen uns entgegenkommenden Wanderer regelrecht bewundert: "Was die Jugend von heute alles macht!".

Dass wir einige Kilometer nicht fahren können, dafür bin ich in diesem Moment regelrecht dankbar. Das Laufen zwischendurch ist sehr entspannend für die strapazierten Körperteile, die Kontakt zu Rucksack und Sattel haben. Und es ist auch nicht so anstrengend wie befürchtet. Laufen haben wir schließlich trainiert.

Nur noch eine Rampe!
Kurz vor der Passhöhe erreichen wir noch eine Hochebene in der wir tatsächlich noch ein Stück fahren können. Die letzten Rampen führen über Geröll mit Steinen in Tennis- und Handballgröße und jagen den Puls nochmal ordentlich nach oben. Um 15.15 Uhr nach 32 Kilometern und 1700 Höhenmetern erreichen wir bei 8° C das Pfitscher-Joch-Haus. Endlich Mittag und endlich was Warmes! Als wir nach unserer Pause wieder aufbrechen, weht ein eisiger Wind, das Thermometer am Radcomputer zeigt nur noch 5° C. Ich ziehe alles an, was der Rucksack zu bieten hat und brauche eine Weile bis ich nicht mehr zittere. Spätsommer am Pfitscher Joch.

Blick zurück

Das Pfitscher Joch ist mit 2275 m ü. NN der höchste Punkt der Etappe und auch unserer gesamten Tour. Zum Ziel in Sterzing geht es jetzt 35 km nur noch bergab. Erst auf Forstweg-Serpentinen, ein fantastischer Abfahrtsspaß, dann auf der Straße. Heute gemessene Höchstgeschwindigkeit und damit Rekord: 74,2 km/h. Das hat Laune gemacht!

Hinunter nach Südtirol!

Gegen halb sechs erreichen wir Sterzing. Ein Zimmer bekommen wir im Hotel "Sterzinger Moos". Das schönste hier: Sauna inklusive! Nach finnischer Sauna und türkischem Dampfbad sind wir wie neugeboren. In einer gemütlichen Pizzeria -schließlich sind wir jetzt in Italien- hauen wir uns die Wänste voll, zischen noch ein Bierchen im Hotel und fallen total erschöpft ins Bett.



Donnerstag, 9. September 2010

Alpencross 2010 - 1. Etappe : Tegernsee - Mayrhofen : Marathon mit Rucksack

Startzeit:9:22 Uhr
Ankunftszeit:17:58 Uhr
Fahrzeit:5h 19 min
Distanz:92,1 km
Überwundene Höhe:1016 hm



Endlich geht es los
Halb acht klingelt der Wecker. Das heißt, eigentlich klingelt er gar nicht. Ich bin nämlich schon früher aufgewacht und stelle ihn aus, bevor er klingelt, so aufgeregt bin ich.

Um acht gibt's dann ein ordentliches Frühstück beim Schandl. Der Blick aus dem Fenster verheißt wettertechnisch allerdings noch nichts Gutes. Es schüttet zwar nicht mehr so sehr wie gestern Abend, aber zum Nasswerden reicht es. Doch pünktlich als wir aufbrechen, hört der Regen auf. Und dann rollt sie - unsere Transalp 2010.

Schwer bepackt durch Tirol

Der Weg ist das Ziel
Auf den ersten Kilometern aus Tegernsee heraus tun wir uns noch etwas schwer mit der Orientierung. Deshalb heißt es alle paar Minuten: Anhalten - Rucksack ab - Karte raus - richtige Richtung suchen - Karte rein - Rucksack auf - weiterfahren. Das hat zugegebenermaßen den Schnitt etwas gedrückt, aber wir sind ja im Urlaub. Auf jeden Fall hat sich schon da das laminierte Kartenmaterial bewährt. Ich möchte nicht wissen, wie unsere Karten sonst schon ausgesehen hätten.

Den ersten spürbaren Hinweis, dass wir in den Bergen unterwegs sind, bekommen wir noch acht Kilometern. Wir passieren die Mautstelle auf der Valepper Straße und dann geht's hinauf zur Moni-Alm auf 1100 hm. Aber die Straße ist asphaltiert und einfach zu fahren. Nach der Moni-Alm geht es weiter auf Asphalt nach Valepp und anschließend in schönem Auf und Ab auf Schotterwegen in Richtung Erzherzog-Johann-Klause. Dass wir in der Zwischenzeit die Grenze nach Österreich passiert haben, bekommen wir gar nicht mit.

Nudeln schmecken immer
Unsere Mittagspause machen wir im Kaiserhaus, einer schönen Tiroler Gaststube. Dort gibt's Nudelsuppe mit Würstel und ein schönes Erdinger Alkoholfrei. In der Zwischenzeit haben wir strahlend blauen Himmel. Richtig warm geworden ist auch, so dass die langen Hosen in den Rucksack können. Als wir aufbrechen, ist es allerdings schon halb zwei und wir haben erst 30 km auf der Uhr. Uns beschleichen erste Zweifel, ob wir unser erstes Ziel, Mayrhofen, heute überhaupt noch erreichen. Immerhin liegen noch 65 km vor uns!

Rast im ZillertalIn Kramsach kreuzen wir die Inntal-Autobahn
Vom Kaiserhaus fahren wir weiter in Richtung Kramsach. Unterwegs ist noch ein knackiger Anstieg mit 15 % Steigung zu überwinden, bevor es dann mit Highspeed hinunter ins Inn-Tal geht. Ab Kramsach geht es nun straff vorwärts. Wir fahren ein Stück am Inn entlang und biegen bei Bruck am Ziller ins wunderschöne Zillertal ein. Parallel zu Inn und Ziller ist die Stecke -gut ausgebaute Radwanderwege- absolut flach. Wir kommen zügig voran. Trotzdem lassen wir uns die Zeit nicht nehmen, ab und zu anzuhalten und ein paar Fotos vom Zillertal zu schießen.

Kohlenhydrate tanken
Auf dem Tacho stehen jetzt auch schon 70, 80 Kilometer und langsam macht sich in den Schultern und Beinen bemerkbar, dass sie es nicht gewohnt sind, schwere Rucksäcke durch die Landschaft zu transportieren. Zudem bekommen wir zu spüren, dass auch unser letzter Marathon noch nicht nicht allzulange her ist. Aber wir haben es ja so gewollt. Also tanken wir noch mal Müsliriegel, Cola und Red Bull und gehen die letzten Tageskilometer an.

Nach 90 km Mayrhofen im Blick

Um 17.45 Uhr nach knapp 90 Kilometern liegt Mayrhofen vor uns. Es ist wie eine Erlösung. Wir haben es tatsächlich geschafft. Im Hotel Victoria finden wir ein gemütliches Zimmer, bekommen ein leckeres Essen serviert und relaxen beim obligatorischen Weißbier. Und als würde der Kreis sich schließen, prasselt pünktlich zu unserer Ankunft ein kräftiger Schauer runter. Aber da sind wir zum Glück schon im Trockenen.

Unsere erste Etappe liegt hinter uns. Mit 92 Kilometern und über 1000 Höhenmetern war's auf jeden Fall schon mal mehr als gemütliches Einrollen. Nichtsdestotrotz steht morgen die erste von fünf Königsetappen an. Wir sind gespannt...




Mittwoch, 8. September 2010

Alpencross 2010 - Aufbruch zum Tegernsee

Rad und Rucksäcke in den Kofferraum und dann geht's los
Nun ist der Tag also endlich ran. Heute beginnt unsere Mountain-Bike-Tour über die Alpen.

Am Vormittag muss ich noch den Rucksack packen. Meine Packliste ist schon seit einigen Tagen klar. Aber passt auch alles rein? - Es passt! Der Deuter Transalpin ist ein echtes Raumwunder. Und bequem noch dazu. Die 6 1/2 Kilo verteilen sich angenehm auf dem Rücken.

Mit dem Auto -Rad und Rucksäcke im Kofferraum- geht's dann nach Tegernsee. Jens leiht sein Rad vor Ort aus, und zwar bei Radl-Hautmann in Fischbachau. Der Chef ist sehr freundlich und kompetent. Man merkt, dass er selbst begeisterter Mountainbiker ist. Bei ihm haben wir auch endgültig die im Vorfeld heiß diskutierte Frage klären können: Schutzbleche ans Mountain-Bike, ja oder nein? Natürlich nicht! Wenn es nass ist, muss man sich und Gepäck eh vor Nässe und Schmutz schützen. Außerdem drücken Schutzbleche nicht unerheblich den Coolness-Faktor. ;-)



Die Pulsuhr muss noch ans Rad montiert werden
Die erste Nacht verbringen wir im Gasthof Schandl, in einem einfachen, aber dafür riesengroßen Gästezimmer. Der Chef ist äußerst nett und hat uns einen urigen bayrischen Gasthof, die "Schießstätte", zum Abendessen empfohlen. (Er selbst hat mittwochs Ruhetag.) Typisch bayrisch, lecker und preiswert. Nach einem guten Essen, zwei Weizen und einem riesigen Kaiserschmarrn sind wir energietechnisch gut für unsere morgige Etappe gerüstet.

Nur das Wetter muss besser werden: Der Weg vom Schandl zur Schießstätte war schon die erste Bewährungsprobe für die Regenjacke. Es hat gegossen wie aus Eimern. Das können wir die nächsten Tage nicht gebrauchen.

Morgen geht's dann also richtig los. Ich bin aufgeregt...

Dienstag, 7. September 2010

Alpencross 2010 - Meine Packliste

Nach einigen Recherchen im Netz und diversen Besorgungen habe ich nun alles komplett, was ich auf unsere Tour mitnehmen werde. Und weil ich es ganz genau wissen will, habe ich das Gewicht eines jeden einzelnen Stücks gemessen. Damit ist jetzt klar, wieviel Kilo ich am Rad, am Körper und auf dem Rucksack über die Berge schleppe.

Vielleicht findet's der eine oder andere - auch zum Vergleich - ganz nützlich, deshalb hier meine ganz persönliche Packliste.

Ein Wort noch zu den Karten: Im Vorfeld hatte ich, um unsere Tour komplett abzudecken, acht Kompass-Karten bestellt. Wenn man die alle mitnimmt, kommt einiges an Gewicht zusammen. Außerdem kann man sie vermutlich nach der Tour wegwerfen, wenn man sie in Wind und Regen dreimal auseinander- und dann (womöglich auch noch falsch) wieder zusammengefaltet hat. Deshalb hab ich mir die Mühe gemacht, die für uns interessanten Kartenteile zu scannen, auszudrucken und zu laminieren. Das Papier sollte man beidseitig bedrucken, die Blätter nummerieren und - noch ein Tipp - auf ein Blatt jeweils nur gerade oder nur ungerade Seiten drucken. Dann kann man nämlich auch mal Seite 1 an Seite 2 dranhalten und sich beide gleichzeitig ansehen, was nicht geht, wenn Seite 2 auf der Rückseite ist. ;-)

Statt acht Karten haben wir nun neun laminierte A4-Seiten mit einem Gesamgewicht von nur 170 g.

Hier nun die Liste:
 RückenKörperRad
1 Rucksack 1160 g
1 lange Bikehose275 g
2 kurze Bikehosen140 g180 g
1 Hose für abends900 g
Funktionsunterhemden110 g
1 Fleecepullover250 g
1 Regenjacke155 g
1 Regenhose135 g
Überzieher für die Schuhe100 g
Kopftuch60 g
1 Trikot lang300 g
2 Trikots kurz150 g150 g
1 T-Shirt190 g
Socken90 g
Unterhosen90 g60 g
Badehose100 g
1 kleines Handtuch 250 g
Shampoo, Zahnbürste, Zahnpasta 300 g
1 Sonnencreme (hat Jens)
Kontaktlinsen + Reiniger100 g
Waschmittel(hat Jens)
Karten170 g
1 Taschenmesser (hat Jens)
Geld, Kreditkarte, Pass, Führerschein210 g
Bleistift, Notizbuch40 g
Plastikbeutel
1 Handy mit Ladegerät70 g95 g
1 Kamera + Ladegerät350 g
Stirnlampe75 g
1 Paar Bike-Schuhe1100 g
1 Paar Handschuhe kurz40 g
1 Paar Handschuhe lang50 g
1 Sonnenbrille30 g
1 Helm250 g
1 Pulsgurt70 g
Armtasche für Handy40 g
Erste-Hilfe-Set140 g
Wundspray70 g
Minitool200 g
Pannenspray100 g
Flickzeug20 g
Ersatzschlauch200 g
Luftpumpe100 g
Panzertape120 g
Kabelbinder30 g
2 Trinkflaschen (gefüllt)760 g
Fahrrad-Computer50 g
Vitamin-Tabletten100 g
Mg-Ca-Tabletten100 g
Powergel 2x80 g
Trinkpulver200 g
Summe6830 g2015 g1260 g


Montag, 6. September 2010

Nach dem Lauf ist vor der Tour

Wow, das war also Marathon Nummer zwei - der Heimmarathon. 42,195 km beim 9. Mitteldeutschen Marathon von Spergau -fast vor der Haustür- bis nach Halle. Und es war gut. Verdammt weit zwar, anstrengend, kräftezehrend, stellenweise grausam und quälend - aber trotzdem gut. Unterwegs denke ich manchmal: 'Nie wieder!' Aber mit etwas Abstand überwiegt der Stolz, es wächst die Freude über eine neue Bestzeit und langsam keimt neuer Ehrgeiz auf, beim nächsten Mal noch besser zu sein. Aber jetzt heißt es erstmal für drei Tage Beine hochlegen, denn nach dem Lauf ist vor der Tour. Dann geht's mit dem Mountain Bike über die Alpen.

Das Rennen begann für mich optimal. Es war zwar neblich und vor allen Dingen ziemlich kühl, aber das ist genau mein Wetter. Die ersten Kilometer gingen auch über bekanntes Trainingsgelände. Spergau, Fährendorf, Wengelsdorf - dort bin ich überall schon zu Fuß unterwegs gewesen. Mit dem Heimvorteil unter den Füßen ging's ganz flott vorwärts: 5:10 - 5:20 min/km, so hatte ich's geplant.

Obwohl es streckenweise durch menschenleere Straßenabschnitte ging, war die Stimmung vor allem in den Dörfern und Städten richtig gut. Da spielten Blaskapellen, Sprecher haben Stimmung gemacht und ganze Schulklassen standen am Straßenrand und haben uns angefeuert. Niedlich ist es auch, wenn die Jüngsten begeistert ihre Hand raushalten und sich freuen, wenn sie von den Läufern abgeklatscht werden. Das macht richtig Spaß. Auch die vielen Helfer an den Verpflegungsständen haben sich richtig reingehängt. An einem hat mir eine zugerufen: "Los, Matthias!", und ich hab bestimmt zwei Kilometer gegrübelt: 'Woher kennt sie mich nur?' Dann ist es mir eingefallen: Auf der Startnummer waren ja die Namen aufgedruckt...

Und so ging's locker weiter. Einen Becherchen Wasser an jedem Stand, ein Magnesium hier, ein Powergel dort. Halbmarathon-Zeit 1:50 h, alles im Plan.

Schwerer wurde es ab Kilometer 30. Da fängt es langsam an, hier und da weh zu tun. Da fängt man an zu lauschen, ob nicht schon irgendwo ein Krampf lauert und die ersten Blasen an den Zehen melden auch, dass sie eigentlich noch mehr Platz im Schuh bräuchten. Aber in Holleben bei km 32 stand Andreas an der Strecke und hat mich noch mal nach vorn gepeitscht. Ich war immernoch bei 5:30-5:40 min/km und damit auf 3:45-Kurs.

Der Einbruch kam dann doch. Bei km 38 waren die Akkus leer. Ich wollte eigentlich durchlaufen, aber es ging nicht. Die vier Kilometer lange Magistrale, gefühlte 500 m breit und Straße bis zum Horizont, gleißende Sonne, Schmerzen von den Schultern abwärts, die Zielzeit schwindend - das ist alles ziemlich niederschmetternd. Bis...

Ja, bis man kurz vor sich seine Kollegen und Leidensgefährten erkennt. 1000 m vor dem Ziel hatte ich (unverhofft, denn der Halbmarathonstart hat sich um einiges verzögert) Karsten und Sebastian im Visier. Plötzlich sind alle Leiden vergessen. Der Zielspurt gegen Sebastian war ein Kampf auf Leben und Tod, keine Zehntelsekunde haben wir einander gegönnt. Am Ende war es ein Fotofinish. Allerdings gibt es kein Foto, auf dem der Sieger ermittelt werden kann. Sebastian, Glückwunsch zu diesem Unentschieden ;-P

Das schönste an einem Marathon ist, wenn man im Ziel ist. Was da im Kopf passiert ist überwältigend und schwer in Worte zu fassen. Stolz, Erlösung, Freude - und noch viel, viel mehr. Dieses Mal konnte ich sogar meiner Kerstin in die Arme sinken. Danke dafür und dass du diesen ganzen Flitz so geduldig erträgst!

3:53:09 h bin ich übrigens gelaufen, fünf Minuten schneller als in Prag. Eigentlich wollte ich ja 3:45 h schaffen. Und deshalb wird das wohl nicht mein letzter Marathon gewesen sein...

Samstag, 21. August 2010

Alpencross 2010 - Teil I - Von der Idee zum Plan


Seit ich die ersten Kilometer auf meinem Mountainbike gekurbelt habe, geistert die Idee in meinem Kopf herum: Einmal eine richtige Tour über richtige Berge. Eine Tour durch Wind und Wetter, mit hunderten Höhenmetern bergauf und -ab, mit der Quälerei den Berg hinauf, Natur bezwingen und Natur genießen, und mit der einzig wahren Geschwindigkeit hinab ins Tal. Einmal wenigstens will ich mit dem Rad über die Alpen!

Und nun wird es bald soweit sein. Aus der Idee ist ein Plan geworden. In den letzten Wochen haben wir Strecken recherchiert und Packlisten verglichen, zig Internetseiten angeklickt und Forumsbeiträge gelesen und viele Bilder und Videos angekuckt, die die Vorfreude ins Unermessliche treiben.

Und nun steht der Plan: Am 8. September 2010 geht es los. Dann starten Jens und ich nach Tegernsee, um von dort aus die Alpen in Richtung Riva zu bezwingen. Auf sechs Tagesetappen wollen wir 380 km und knapp 9000 hm überwinden. Das wird unsere Strecke sein:

  • 09. September: Tegernsee - Mayrhofen

  • 10. September: Mayrhofen - Pfitscher Joch - Sterzing

  • 11. September: Sterzing - Jaufenpass - Meran - St. Pankraz

  • 12. September: St. Pankraz - Brezner Joch - Male

  • 13. September: Male - Passo Bregn da L'Ors - Lomaso

  • 14. September: Lomaso - Riva del Garda

Diese Streckenführung hat zwar den einen oder anderen Anstieg im Programm, sollte aber dennoch für uns als AlpenX-Einsteiger nicht zu schwierig sein.

Was nimmt man mit auf so eine Tour? Packlisten findet man im Internet in Hülle und Fülle. Zum Beispiel beim Transalp-Guru Carsten Schymik, der auch jede Menge andere Tipps hat (Passdatenbank!) oder auch bei Daniel Bolender, auf dessen Seite sehr schöne Tourberichte zu finden sind. In den letzten Wochen hab ich mir nach und nach alles besorgt, was man so mitnehmen sollte: Von der ultraleichten Montane-Regenbekleidung bis hin zu Kabelbinder und Panzertape. Das alles wird untergebracht in einem nagelneuen Deuter Trans Alpine 30, der laut verschiendenster Testberichte wohl der beste Bike-Rucksack der Welt ist.

Zweieinhalb Wochen sind es nun noch. Der Rucksack ist fast schon gepackt, die Kompass-Karten ausführlich studiert. Jetzt kann's langsam losgehen.

Ach so. Ein Highlight kommt natürlich vorher noch: Am 05. September ist Mitteldeutscher Marathon. 42 Kilometer von Spergau nach Halle. Wenn das nicht die ideale Transalp-Vorbereitung ist...

Donnerstag, 13. Mai 2010

„Der Schmerz geht – der Stolz bleibt“

Ich bin Marathonläufer! 42,195 Kilometer voller Emotionen liegen hinter mir. Ich hab’s geschafft. In 3:58:05 h. Knapp vier Stunden mit Höhen und Tiefen, mit Freude und Schmerz. Das Marathon-Wochenende in Prag – mein erster Marathon - war ein Erlebnis mit Gänsehaut…

Start mit Smetanas „Moldau“
Seit Wochen fiebern wir diesem Tag entgegen. Als ich mich am Sonntag-Morgen mit Jens zusammen vom Hotel in die Prager Innenstadt aufmache, bin ich aufgeregt, wie selten zuvor. Nach vielen Monaten Training bin ich unheimlich auf diesen, meinen ersten Marathon fixiert. Heute musste einfach alles gut klappen.

Es ist phantastisches Wetter, als wir auf dem Altstadtring ankommen und uns auf die Suche nach unserem Startblock machen. 7.500 Läufer sind am Start, und so hab ich ein gutes Stückchen Weg zurückzulegen, bis ich das Schild mit meinem Startnummernbereich entdecke. Später brauche ich nach dem Startschuss acht Minuten, um überhaupt erst mal die Startlinie zu überqueren.

Bis zum Start sind noch ein paar Minuten Zeit. Ich sauge die Kulisse in mich auf: Strahlend blauer Himmel, tausende Läufer aus aller Herren Länder dicht an dicht in den Gassen der wunderschönen Prager Innenstadt. Aus den Lautsprechern stimmungsvoller, tschechischer Wortschwall.

Dann ist es soweit. Ein Startschuss ist nicht zu hören, dazu ist der Start zu weit weg. Aber die Menschenmenge setzt sich langsam in Bewegung. Jubel brandet auf. Aus den Lautsprechern – und jetzt bekomme ich richtig Gänsehaut – begleitet uns auf den ersten Metern Smetanas Moldau. Das ist perfekt: Die Musik, die jubelnden Menschen, die Sonne, diese wunderschöne Stadt. Es geht los, ich laufe Marathon.

Die erste Hälfte zum Genießen
Die Streckenführung gefällt mir. Es geht aus der Innenstadt hinaus über die Moldau in Richtung Norden und nach ca. 10 Kilometern wieder über die Moldau zurück und noch einmal durch den Start-Ziel-Bereich in Prags Zentrum. Diese ersten Kilometer sind richtig zum Genießen. Vorbei an Prags Sehenswürdigkeiten, der Blick auf die Moldau, die Karlsbrücke. Am Straßenrand begeisterte Menschen und Musikbands, die mit Sambarhythmen die Läufer antreiben. Viele Leute haben Plakate gemalt. Eines davon berührt mich: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.“ Einen Marathon zu laufen, sich dieser Herausforderung zu stellen, sich selbst zu bezwingen, das ist etwas Besonderes. Und ues ist etwas, das einem, wenn man es einmal geschafft hat, niemand mehr nehmen kann. Man kann immer stolz darauf sein.

So zu laufen macht Spaß. Es fällt mir gar nicht schwer, das Rennen so anzugehen, wie ich’s mir vorgenommen hatte: Relativ zügig, aber nicht zu schnell. Die ersten Kilometer laufe ich alle um die 5:15 min, später dann sogar um die 5:00. Als Verpflegung hatte ich mir sechs Powerbar-Gels eingepackt, die quetsche ich mir ab Kilometer 10 alle 5 Kilometer rein. Die sind richtig lecker. Alle zweieinhalb Kilometer kommt ein Verpflegungsstand, an dem ich mir einen Becher Wasser gönne. Alles läuft nach Plan.

Kilometer zäh wie Kaugummi
Nach der Altstadt-Runde geht es an der Moldau entlang stadtauswärts. Genau nach Halbmarathon-Distanz kommt ein Wendepunkt. Als ich den passiere, zeigt die Uhr 1:51:58 h. Nicht schlecht. Die Hälfte ist geschafft, die letzten Kilometer sind regelrecht vorbeigeflogen, ich fühl mich gut. Jetzt nochmal das Ganze und am Ende steht eine 3:45 h auf der Urkunde.

Aber so einfach ist es nicht.

Nach zwei Stunden Laufzeit geht es nun langsam auf Mittag zu. Die Sonne meint es nach wie vor richtig gut. Ab km 25 beginnen die Beine schwerer zu werden. Nicht so, dass man sich sorgen muss, aber die Kilometerzeit steigt auf 5:30 min. Bei km 28 nehme ich mir das erste Mal ein bisschen mehr Zeit, einen Wasserbecher vom Verpflegungstisch zu greifen. Bei km 32 überschreite ich eine Grenze: Noch nie bin ich so weit gelaufen. Was ich jetzt zu spüren beginne ist: Mein Körper will auch nicht so weit laufen. Nach drei Stunden hat er genug. Er will anhalten und stehenbleiben. Der Kampf zwischen Körper und Willen ist eröffnet. Ich beginne die Kilometer rückwärts zu zählen.

Noch 10… Fast noch eine ganze Stunde. Es macht keinen Spaß mehr. Warum tust du dir das an?

Noch 9,… Es vergehen Ewigkeiten von einem Kilometerschild bis zum nächsten. Immer wieder rechne ich die Kilometerzeiten auf die Zielzeit hoch. Der Puffer auf die Unter-4-h-Zeit schmilzt dahin. An 3:45 h ist nicht mehr zu denken.

Noch 6 … Es ist noch so weit. Ich hab auch keine Lust mehr, mir schon wieder so ein widerliches Gel reinzudrängeln. Und wann kommt endlich wieder eine Verpflegungsstation, ich hab solchen Durst! Ich kann nicht mehr! Ich muss ein Stückchen gehen. Nur ein kleines Stück!

Noch 4 Kilometer. Lauf, lauf, lauf!

„Zieh nochmal, Junge!“
Zwei Kilometer vor dem Ziel weiß ich: Wenn ich unter vier Stunden bleiben will, bleibt nicht mehr viel Zeit. 3:46 h zeigt die Uhr, als ich das 40-km-Schild passiere. Noch mehr Gehpausen, dann ist die Unter-4-Stunden-Zeit futsch. Also: ‚Reiß dich nochmal zusammen! Beiße! Kämpfe! Es kann doch nicht alles umsonst gewesen sein.‘ Bei Kilometer 41 zeigt die Uhr 3:52 h. Noch 1200 m, es ist noch alles drin. Aber noch bin ich nicht auf der Zielgeraden. Dann kommt die letzte Kurve. Jetzt geht’s nur noch geradeaus. Am Straßenrand stehen hunderte Menschen, jubeln, feiern jeden einzelnen Läufer. Ein unbeschreibliches Gefühl! 3:56 h auf der Uhr. Ich kann das Ziel noch nicht sehen. Ich muss noch mal anziehen. Aus der Menge hör ich jemanden rufen: „Komm Matthias, zieh noch mal, Junge!“ Ich entdecke Jens, der schon angekommen war (nach 3:10:08 h!) Jetzt, wenige Meter vor dem Ziel treibt er mich noch mal nach vorne. Später seh‘ ich auf den Fotos, dass ich ein Lachen im Gesicht habe. Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Eins weiß ich aber noch: Irgendwann kam das Ziel in Sicht. 3:57 h, nur noch ein paar Meter! Innerlich jubelnd laufe ich dem Ziel entgegen. Die Erlösung ist nah. Im Ziel balle ich die Fäuste. Die Arme nach oben zu reißen, dafür reicht die Kraft nicht mehr. Als ich die Linie überquere, steht fest: Meinen ersten Marathon schaffe ich in weniger als vier Stunden: 3:58:05 h stehen am Ende auf der Uhr.


Ich bin am Ziel. Ich habe einen weiten Weg hinter mich gebracht. Mir tut alles weh. Ich bin voller Stolz. Und eins weiß ich: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.