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Samstag, 11. September 2010

Alpencross 2010 - 3. Etappe : Sterzing - St. Pankraz : Kettenzugmaschinen am Jaufenpass

Startzeit:9:22 Uhr
Ankunftszeit:17:24 Uhr
Fahrzeit:4 h 49 min
Distanz:73,3 km
Überwundene Höhe:1647 hm

Heute lassen wir uns mal eine halbe Stunde früher wecken. Denn: Zum Einen haben wir mal ein Hotel erwischt, in dem es schon ab halb acht Frühstück gibt, zum Anderen können wir jede zusätzliche Minute auf der vor uns liegenden Etappe gut gebrauchen.

Kleiner Zwischenfall vorm Start
Unsere halbe Stunde Zeitgewinn ist allerdings schnell wieder futsch. Als wir unsere Räder aus dem Abstellraum holen, wartet da nämlich der erste Plattfuß der Tour auf uns. So wie's aussieht habe ich mir gestern noch einen Nagel in den Reifen gefahren und über Nacht hat's dann allmählich "pfff..." gemacht. Also ist, bevor wir starten können, erstmal Reifen reparieren angesagt.

Auf die Minute 9.22 Uhr -witzigerweise wie jeden Tag bisher- machen wir uns auf den Weg. Das Wetter ist 'ne Wucht!
Tiefblauer Himmel, die Sonne lacht über Berge. Es ist zwar noch etwas kühl, aber heute wird es definitiv Sommer.

Vor dem, was uns heute erwartet, haben wir nach dem Blick auf das Höhenprofil großen Respekt. 1100 hm über 18 km am Stück hinauf zum Jaufenpass. Aus Sterzing heraus rollen wir uns ein und nach drei Kilometern geht es dann hinein in den Berg.

Zerren bis die Kette knarzt
Wider Erwarten kommen wir richtig gut vorwärts. Im Vergleich zu gestern fahren wir zwei Gänge höher, zerren wie die Männer an der Kette und fühlen uns wie Tour-de-France-Fahrer als wir mit 9-10 km/h die Passstraße "hinaufjagen". Die vergangenen zwei Tage haben offenbar unsere Körper gestählt: von Schulterschmerzen keine Spur, die Waden topfit. Von diesen Umständen, dazu vom strahlenden Sonnenschein und der wunderschönen Landschaft sind wir regelrecht euphorisiert. Bei 1900 m Höhe verschwinden die letzten Bäume am Straßenrand und die Sicht wird frei für ein sagenhaftes Panorama. Die letzten 250 hm zur Passhöhe sind trotz der Anstrengung zum Genießen: Was für eine Aussicht auf so ein wunderschönes Fleckchen Erde. Traumhaft! Jeder einzelne Tropfen Schweiß hat sich dafür gelohnt!

Die Jaufenpassstraße - 18 km, 1100 hm


Viel früher als erwartet, erreichen wir um halb eins den Jaufenpass in 2057 m Höhe, so dass wir in aller Ruhe ein paar Fotos schießen, ein Weilchen die Aussicht nach beiden Seiten genießen und uns ein wenig von den Anstrengungen erholen.

Für die Abfahrt gibt es zwei Alternativen: So wie hinauf auf der Straße oder einen Wanderweg, der als "flowiger Trail" beschrieben wird. Ich nehme mir die Zeit und folge dem Weg ein paar Meter zu Fuß. Er sieht fahrbar aus, ist aber auch ziemlich steil, was uns auch ein Wirt in der Edelweißhütte am Pass bestätigt. Wir beschließen, dass wir zu sehr Anfänger sind, um das Trail-Risiko einzugehen, verschieben das auf die nächste Tour und entscheiden uns für Speed-Asphalt.

Vor der Abfahrt ins Passeiertal

Und das ohne Reue! 20 km am Stück ins Tal zu schießen mit 50-60-70 Sachen, in den Haarnadeln glühen die Bremsscheiben, das ist herrlich! In der Abfahrt können wir locker mit Autos und Motorrädern mithalten. Mehr sogar: Zweimal unterbrechen wir unsere Abfahrt, weil wir einen 5er BMW und andere Hochleistungsgefährte einholen und nicht überholen können. Was für ein Spaß!

Nach der Abfahrt vom Jaufenpass sind wir im Passeier Tal. Hier ist es endgültig Sommer. Strahlender Sonnenschein, 25° C . Und so cruisen wir auf einem Radwanderweg einlang der Passer durchs idyllische Tal, in dem sich Apfelplantage an Apfelplantage reiht. Mitte September ist natürlich eine kritische Zeit, um durch Apfelplantagen zu fahren. Da sind die Äpfel nämlich alle reif. Ich gebe zu - wir haben welche gestohlen. Und die waren lecker!

Meran
Der Passeierweg geht stetig leicht bergab, so dass wir auch hier ordentlich metern könnern und ca. halb vier Meran erreichen. Wie in Sterzing gestern sind wir auch heute wieder begeistert von diesen wunderhübschen südtiroler Städtchen.

Nach Meran gibt's noch 'nen Leckerbissen zum Abschluss dieser Etappe. Wir müssen noch hinüber ins Ultental, das heißt von 350 auf 800 m Höhe. Nach inzwischen 65 Kilometern im Sattel geht das allerdings nicht mehr ganz so fluffig wie heute Morgen. Trotzdem haben wir unser Erfolgserlebnis: Mit unseren Mountainbikes, beladen mit 8-10 Kilo Beiwerk, saugen wir uns an zwei Rennradfahrer heran, fahren kurz im Windschatten mit und ziehen dann vorbei. Wow, da haben wir uns stark gefühlt!

Ein Stück nach oben müssen wir noch

Der Weg nach oben war trotzdem nochmal ganz schön hart. Man lauert immer, dass hinter der nächsten Kurve das Ziel auftaucht und jedesmal geht es noch 30-40-50 Meter höher. Das ist jedenfalls gutes Mentaltraining.

Gegen halb sechs sind wir dann endlich in St. Pankraz und haben auch ein schönes Hotel gefunden. Nach den etwas unpersönlichen Hotels in den etwas größeren Städten bisher ist das Hotel zur Post mit seinen Angestellten so wie ich Südtirol kenne: Nette, zuvorkommende, dankbare Menschen, die einem den Urlaub so angenehm wie möglich machen wollen. Das Hotel ist Spitze. Sauna, Swimming Pool, urigste Gemütlichkeit. Perfekt nach einem solchen anstrengenden Tag.

Später nach dem Abendessen (Pizza - was sonst?), einem gemütlichen Bier und einem netten Gespräch über solche und solche Gäste spendiert uns die Wirtin noch einen Ultner Zirmeler. Ein sehr wohlschmeckender Schnaps, der aus einer Art Tannenzapfen hergestellt und ausschließlich im Ultental gebrannt und verkauft wird.

Und so klingt ein weiterer Etappentag aus. Mehr als die Hälfte der Kilometer haben wir jetzt hinter uns. Riva kommt näher und es ist Sommer.



Sonntag, 2. August 2009

Mein schönstes Urlaubsfoto ...

... habe ich aufgenommen, als wir an den Reinbach-Wasserfällen in Sand in Taufers waren.


Dort stürzt der Reinbach in einer Felsenschlucht in mehreren Kaskaden in die Tiefe. Das tosende Wasser erzeugt winzige Tröpfchen, die in der Luft in und über dem umliegenden Wald permanente Nebelschwaden bilden. Das Sonnenlicht taucht diesen wasserdurchtränkten Wald in eine ganz besondere Atmosphäre, die ich in diesem Foto einfangen wollte.

Freitag, 31. Juli 2009

Die einzig wahre ist die Vertikalgeschwindigkeit!

Einen Tag in unserer Ahrntal-Woche habe ich im Mountainbike-Sattel zugebracht: Morgens bei herrlichem Wetter mit dem Auto zum Radverleih, ein ordentliches Rad ausgeliehen und dann nach oben. Bis zum späten Nachmittag war ich unterwegs und habe eine schöne Tour bis auf über 2100 m gemacht. Unterwegs hab ich stellenweise ganz schön geschnauft, aber die Fahrt in der Höhe durch die spektakuläre Bergwelt und die Abfahrt ins Tal sind jede Quälerei wert!

Gestartet bin ich in Steinhaus im Tal bei ca. 1050 m Höhe. Zum Warmwerden und Einfahren ging's erstmal ein paar Kilometer auf der Ahrntaler Straße taleinwärts. Das Ahrntal steigt bis zum Talende stetig an, so dass es von Anfang an so zwischen 3 und 8% bergauf ging. In Prettau nach etwa 11 km und bei 1450 m üNN -eine knappe Stunde war ich bis dahin unterwegs- bin ich von der Straße abgebogen.

Und von da an ging es richtig zur Sache: die typischen Serpentinenwege, die sich durch den Wald den Berg hinaufschlängeln. Zweihundert Meter in die eine Richtung, Haarnadel, zweihundert Meter in die andere Richtung. Die Kette vorne auf dem kleinsten, hinten auf dem größten Blatt und man möchte noch weiter runter schalten, weil's so schwer geht. Den Blick auf den Lenker, wo das GPS-Gerät die aktuelle Höhe anzeigt: 1500 m, 1600 m, 1700 m...

Bei 1800 m war ich über eine Stunde "im Berg". Da hab ich angefangen, mich zu fragen, ob es wirklich Spaß macht. Aber dann lichteten sich die Bäume, der Blick ins Tal und auf die Berge war frei. Diese Aussicht, diese atemberaubende Natur, da hab ich wieder gewusst, dass es schön ist. Eine halbe Stunde später hatte ich die quälenden Anstiege hinter mir und war auf dem Höhenweg, den ich mir zum Ziel gemacht habe.

Dieser Höhenweg läuft parallel zum Tal in etwa 2000 m Höhe durch grüne Almwiesen vorbei an an etlichen Dreitausendern. Den bin ich gemütlich gefahren, bis es am Talschluss nicht mehr weiterging. Dabei bin ich gar nicht mehr richtig vorwärts gekommen: Laufend musste ich zum Fotografieren anhalten, weil ein Panorama spektakulärer war als das andere, dann ein Schwätzchen mit einem einheimischen Einsiedler auf der Alm (bei dem ich kaum ein Wort verstanden hab.), dazu ein Erfrischungsstopp an einem glasklaren, eiskalten Gebirgsbach. Zu guter Letzt bin ich noch drei italienischen Wanderern begegnet, die mich wortreich auf italienisch und gebrochenem Englisch für eine interessante Route bis hinüber nach Österreich begeistern wollten. Die waren nämlich gerade von dort hergekommen und schon seit etlichen Tagen zu Fuß unterwegs. Hut ab!

Ich hab diese Route nicht genommen. Ich bin auf dem Höhenweg wieder zurück gefahren und nach ein paar Kilometern und einem verspäteten Mittagessen auf der Waldner-Alm ging's dann von 2100 m hinab ins Tal. Und das ist dann der Punkt, wo man endgültig weiß, warum man sich da hoch gequält hat. Wenn man mit 60 Sachen und bis zu 3 m/s Vertikalgeschwindigkeit die Serpentinen wieder runterjagt, der Wind pfeift an einem vorbei, der Kitzel, den Bremspunkt vor der nächsten Haarnadel nicht zu verpassen. Das macht unheimlich Spaß!



Runter ging's dann wirklich schnell. Kurz nach vier war ich zurück am Radverleih. Am Ende hatte ich 42,3 km zurückgelegt und dabei 1612 Höhenmeter überwunden. Und diese Strecke hat Lust auf mehr gemacht. Spätestens seit dem Tag gehört eine Transalp-Tour zu meinen Lebenszielen!

Dienstag, 28. Juli 2009

"Alle Mann ins Boot!"

Gleich als wir uns entschieden hatten, noch ein paar Tage Urlaub in Südtirol zu machen, stand für mich und meinen Jungen fest: Diesmal machen wir eine Rafting-Tour mit.


Ursprünglich hatten wir uns bei der Anmeldung ja für eine Tour der Kategorie "leicht" entschieden. Als es dann aber soweit war, gab es keine "leichten", sondern nur noch "mittelschwere" Touren. Vermutlich waren wir zwei die einzigen Vorsichtigen. Alle anderen, die an diesem Tag raften wollten, hatten sich draufgängerisch und todesmutig schon für die mittelschwere Tour eingetragen. Wenn wir mit wollten, hatten wir keine andere Wahl. Also, in den Neoprenanzug hineingezwängt, Helm auf und hinein ins Abenteuer.

Zuerst kommen natürlich ein paar Trockenübungen: Wie sitzt man richtig im Boot, was tut man, wenn man ins Wasser fällt, was bedeuten die Kommandos des Bootsführers. Das wichtigste Kommando, so hat man uns gesagt, sei "Alle Mann ins Boot!" Wenn dieses Kommando kommt, begebe man sich aus der normalen Sitzposition auf dem Schlauch so schnell wie möglich, so tief wie möglich ins Boot hinein und halte sich so gut wie möglich fest.

Und dann ging es endlich ins Wasser. Der erste Teil der Strecke war recht ruhiges Gewässer, da fährt man, um ein Gefühl für die ganze Sache zu bekommen. Beim Raften kommt es sehr auf Team-Arbeit an: Es funktioniert nur, wenn alle das machen, was der Bootsführer sagt, und das gemeinsam. Wir hatten noch drei junge Holländer mit an Bord, mit denen hat das sehr gut geklappt und auch richtig Spaß gemacht. Zum Üben durften wir auch mal aus dem Boot springen und uns mit der Strömung treiben lassen. Eine interessante Erfahrung, in so einem Gebirgsfluss geht's ordentlich zu Sache. Mit Aufstehen und zum Ufer waten ist es jedenfalls schlecht. Wieder ins Boot hineinzukommen ist auch sehr schwierig, wenn man auf sich allein gestellt ist, da braucht man das Team.


Ein kurzer Landgang stand dann auch noch auf dem Programm. Da sind wir in einem Gebirgsbach über ein paar Felsen geklettert, bis wir an einem Wasserfall angekommen sind. Dort stürzt aus 100 m Höhe das Wasser an einem Felsen hinab. Wer mutig war, durfte sich an der Felswand hinter dem Wasserfall durchquetschen. Das war Wahnsinn: Mit dem ganzen Körper eng an den Felsen gepresst, ohne etwas zu sehen und um einen herum nur noch das ungeheure Tosen des herunterstürzenden Wassers!


Danach ging's wieder ins Boot und damit auf den schwierigeren Teil der Strecke. Das Wasser wurde wilder, die Kommandos lauter, die Paddelschläge kräftiger. Und dann hieß es natürlich auch "Alle Mann ins Boot!": Vor uns lag ein Wehr, hinter dem der Fluss vier Meter tiefer weiterlief. Da sind wir runter, Wasser im Boot, Gischt im Gesicht, aber souverän ohne zu kentern und ohne Mann über Bord. Das war ganz klar der Höhepunkt der Tour. Danach hieß es locker auspaddeln und die Erlebnisse genießen. War 'ne schöne Tour, und bloß gut, wir haben uns nicht für die "leichte" entschieden.

Sommertage auf Berg, Bike und Boot


Unseren Sommerurlaub, Teil 2, haben wir dieses Jahr im Ahrntal in Südtirol verbracht. Für mich einer der idyllischsten Orte, die man sich auf dieser Erde vorstellen kann. Seit vielen Jahren fahren wir regelmäßig dorthin, meistens im Winter zum Skifahren. Aber auch im Sommer kann man sich dort bestens aktiv erholen. In der Urlaubswoche haben wir einiges an Kilometern und vor allen Dingen auch Höhenmetern zurückgelegt: zu Fuß, mit dem Mountain-Bike und an einem Tag auch in einem Rafting-Schlauchboot, und immer wieder hält man inne, um die atemberaubende Landschaft zu genießen.

Die meiste Action gab es natürlich bei der Rafting-Tour. Das ist echt aufregend und macht Riesenspaß! Aber auch unsere Wandertouren haben wir genossen. Einen Tag habe ich genutzt, um mal eine schöne, ausgiebige Tour auf dem Mountain-Bike zu machen: Einsam in 2000 m Höhe, nur das Bike, der Berg und ich. Und am Ende mit 3 m/s Vertikalgeschwindigkeit wieder zurück ins Tal!

War ein schöner Urlaub. Über das eine oder andere werde ich auf jeden Fall hier noch schreiben.