Sonntag, 12. September 2010

Alpencross 2010 - 4. Etappe : St. Pankraz - Malé: Die Asphalt-Alpinisten

Startzeit:9:19 Uhr
Ankunftszeit:17:15 Uhr
Fahrzeit:4 h 48 min
Distanz:63,8 km
Überwundene Höhe:1672 hm


Um acht gibt es Frühstück im Hotel "Zur Post" in St. Pankraz, so dass wir -nun schon traditionell- zwanzig Minuten nach neun starten. Das Wetter ist wieder ein Traum: tiefblauer Himmel, angenehm warm, herrliches Bergwetter.

Der Zoggler Stausee im oberen Ultental

Unsere Etappe führt uns heute wieder erstmal straff bergauf. Auf der Ultentalstraße geht von 800 m in St. Pankraz auf 1150 m zum Zoggler Stausee in St. Walburg. Nach dem Stausee geht es einen Forstweg hinauf zur Spitzenalm auf 1850 m. Mit kurzen Pausen alle 250 hm kommen wir gut voran, so dass wir halb eins ein üppiges Käseomelett auf der Alm verspeisen können.

Idylle auf der Spitzneralm
Auf der Alm genießen wir ein fantastisches Panorama auf das Etschtal. Ganz dort unten sind wir gestern noch gewesen, und heute sind wir 1500 m höher und 30 Kilometer näher am Gardasee. Ein netter Einheimischer, mit dem wir während unserer Pause ins Gespräch kommen, erzählt uns einiges über die Gengend. Vor allen Dingen kann er uns tatsächlich die Namen aller umliegenden Gipfel ansagen. Gemerkt haben wir sie uns leider nicht. Auch ein paar Wanderer aus Deutschland interessieren sich für das, was wir tun, und bekunden großen Respekt.

Blick ins 30 km entfernte Etschtal

Von der Spitzner-Alm führt ein Trail zur nächsten Station, der Gampenalm. Für etwas erfahrenere Mountainbiker bestimmt was Feines. Neben dem schmalen Weg geht es allerdings steil nach unten und wir befürchten, beim kleinsten Anfängerfehler in die Tiefe zu stürzen. Also sind wir hier mal wieder ein Stück zu Fuß unterwegs, fluchen vor uns hin, wenn die Pedale beim Schieben gegen die Waden schlagen oder wenn sich in einem Steilstück der Sattel im Rucksack verfängt. Zu fortgeschrittener Stunde wünschen wir uns heimlich unsere Mountainbike-Autobahn von gestern zurück.


Damit ging auch einiges an Zeit verloren. Auf der Gampenalm ist es schon halb drei und wir haben noch 40 km vor uns. Darunter sind auch einige, die mit 400 hm zum Brezner Joch hinaufgehen. Im Verlaufe des Tages macht sich auch mehr und mehr mein rechtes Knie bemerkbar, das anscheinend erste Verschleißerscheinungen aus den letzten Tagen aufweist. Auch bei Jens ist eine gewisse Erschöpfung nicht von der Hand zu weisen. Angesichts dieser Umstände und der fortgeschrittenen Zeit müssen wir das erste Mal befürchten, dass wir das Etappenziel in Malé nicht schaffen. Nochmal 400 hm bis zum Brezner Joch, was realistischerweise anderthalb bis zwei Stunden bedeutet, sind heute nicht mehr drin. Ein neuer Plan muss her.

Wir studieren nochmal intensiv unsere Karten und finden zum Glück auch einen Weg, auf dem wir den Pass umgehen können. Von der Gampenalm fahren wir auf einem Forstweg zur Straße hinunter und sind von da an für heute die Asphalt-Alpinisten. Auf der Straße Richtung Revo, Malé müssen wir noch einige schmerzhafte Höhenmeter kurbeln. Darunter zwanzig Minuten durch einen dunklen, maroden, elend langen Tunnel. Ziemlich unheimlich und beängstigend, wenn im Dunkeln italienische LKWs herandröhnen.

Als das überstanden ist, können wir nochmal die Beine baumeln lassen. Mit bis zu 70 Sachen heizen wir hinunter nach Revo und halten noch mal an, als sich uns ein fantastischer Ausblick auf das Val di Sole und den Lago di Santa Guistina bietet.

Traumhafte Landschaften...

Dank unserer Abkürzung sind wir inzwischen auch wieder zuversichtlich, dass wir wie geplant in Malé übernachten werden. Trotzdem sind die letzten 15 Kilometer nicht einfach. Es geht nochmal 200 m nach oben und auf der Staatsstraße nervt endloser Verkehr. Mir tut das Knie immernoch weh und Jens, der sonst eigentlich der Pacemaker ist, trampelt auch müde hinter mir her.

Nach 63 Kilometern kommen wir dann gegen 17.15 Uhr in Malé an. Die Begeisterung für die Stadt hält sich in Grenzen. Offenbar sind wir von der südtiroler Idylle doch etwas verwöhnt. Immerhin finden wir wieder ein Hotel mit Sauna -das Hotel Liberty- und nach einigem Suchen und Fragen eine Pizzeria, in der wir ein gutes Bier bekommen und gut satt werden.

Die Etappe heute ist für uns beide mit Abstand die schwerste gewesen, obwohl sie von Kilometer- und Höhenmeterumfang eher niedriger war. Anscheinend zeigen sich jetzt nach vier Tagen die Ermüdungserscheinungen. Nichtsdestotrotz wollen wir morgen unsere letzte "richtige" Etappe angehen. Und dann sind wir ja schon fast in Riva...


Samstag, 11. September 2010

Alpencross 2010 - 3. Etappe : Sterzing - St. Pankraz : Kettenzugmaschinen am Jaufenpass

Startzeit:9:22 Uhr
Ankunftszeit:17:24 Uhr
Fahrzeit:4 h 49 min
Distanz:73,3 km
Überwundene Höhe:1647 hm

Heute lassen wir uns mal eine halbe Stunde früher wecken. Denn: Zum Einen haben wir mal ein Hotel erwischt, in dem es schon ab halb acht Frühstück gibt, zum Anderen können wir jede zusätzliche Minute auf der vor uns liegenden Etappe gut gebrauchen.

Kleiner Zwischenfall vorm Start
Unsere halbe Stunde Zeitgewinn ist allerdings schnell wieder futsch. Als wir unsere Räder aus dem Abstellraum holen, wartet da nämlich der erste Plattfuß der Tour auf uns. So wie's aussieht habe ich mir gestern noch einen Nagel in den Reifen gefahren und über Nacht hat's dann allmählich "pfff..." gemacht. Also ist, bevor wir starten können, erstmal Reifen reparieren angesagt.

Auf die Minute 9.22 Uhr -witzigerweise wie jeden Tag bisher- machen wir uns auf den Weg. Das Wetter ist 'ne Wucht!
Tiefblauer Himmel, die Sonne lacht über Berge. Es ist zwar noch etwas kühl, aber heute wird es definitiv Sommer.

Vor dem, was uns heute erwartet, haben wir nach dem Blick auf das Höhenprofil großen Respekt. 1100 hm über 18 km am Stück hinauf zum Jaufenpass. Aus Sterzing heraus rollen wir uns ein und nach drei Kilometern geht es dann hinein in den Berg.

Zerren bis die Kette knarzt
Wider Erwarten kommen wir richtig gut vorwärts. Im Vergleich zu gestern fahren wir zwei Gänge höher, zerren wie die Männer an der Kette und fühlen uns wie Tour-de-France-Fahrer als wir mit 9-10 km/h die Passstraße "hinaufjagen". Die vergangenen zwei Tage haben offenbar unsere Körper gestählt: von Schulterschmerzen keine Spur, die Waden topfit. Von diesen Umständen, dazu vom strahlenden Sonnenschein und der wunderschönen Landschaft sind wir regelrecht euphorisiert. Bei 1900 m Höhe verschwinden die letzten Bäume am Straßenrand und die Sicht wird frei für ein sagenhaftes Panorama. Die letzten 250 hm zur Passhöhe sind trotz der Anstrengung zum Genießen: Was für eine Aussicht auf so ein wunderschönes Fleckchen Erde. Traumhaft! Jeder einzelne Tropfen Schweiß hat sich dafür gelohnt!

Die Jaufenpassstraße - 18 km, 1100 hm


Viel früher als erwartet, erreichen wir um halb eins den Jaufenpass in 2057 m Höhe, so dass wir in aller Ruhe ein paar Fotos schießen, ein Weilchen die Aussicht nach beiden Seiten genießen und uns ein wenig von den Anstrengungen erholen.

Für die Abfahrt gibt es zwei Alternativen: So wie hinauf auf der Straße oder einen Wanderweg, der als "flowiger Trail" beschrieben wird. Ich nehme mir die Zeit und folge dem Weg ein paar Meter zu Fuß. Er sieht fahrbar aus, ist aber auch ziemlich steil, was uns auch ein Wirt in der Edelweißhütte am Pass bestätigt. Wir beschließen, dass wir zu sehr Anfänger sind, um das Trail-Risiko einzugehen, verschieben das auf die nächste Tour und entscheiden uns für Speed-Asphalt.

Vor der Abfahrt ins Passeiertal

Und das ohne Reue! 20 km am Stück ins Tal zu schießen mit 50-60-70 Sachen, in den Haarnadeln glühen die Bremsscheiben, das ist herrlich! In der Abfahrt können wir locker mit Autos und Motorrädern mithalten. Mehr sogar: Zweimal unterbrechen wir unsere Abfahrt, weil wir einen 5er BMW und andere Hochleistungsgefährte einholen und nicht überholen können. Was für ein Spaß!

Nach der Abfahrt vom Jaufenpass sind wir im Passeier Tal. Hier ist es endgültig Sommer. Strahlender Sonnenschein, 25° C . Und so cruisen wir auf einem Radwanderweg einlang der Passer durchs idyllische Tal, in dem sich Apfelplantage an Apfelplantage reiht. Mitte September ist natürlich eine kritische Zeit, um durch Apfelplantagen zu fahren. Da sind die Äpfel nämlich alle reif. Ich gebe zu - wir haben welche gestohlen. Und die waren lecker!

Meran
Der Passeierweg geht stetig leicht bergab, so dass wir auch hier ordentlich metern könnern und ca. halb vier Meran erreichen. Wie in Sterzing gestern sind wir auch heute wieder begeistert von diesen wunderhübschen südtiroler Städtchen.

Nach Meran gibt's noch 'nen Leckerbissen zum Abschluss dieser Etappe. Wir müssen noch hinüber ins Ultental, das heißt von 350 auf 800 m Höhe. Nach inzwischen 65 Kilometern im Sattel geht das allerdings nicht mehr ganz so fluffig wie heute Morgen. Trotzdem haben wir unser Erfolgserlebnis: Mit unseren Mountainbikes, beladen mit 8-10 Kilo Beiwerk, saugen wir uns an zwei Rennradfahrer heran, fahren kurz im Windschatten mit und ziehen dann vorbei. Wow, da haben wir uns stark gefühlt!

Ein Stück nach oben müssen wir noch

Der Weg nach oben war trotzdem nochmal ganz schön hart. Man lauert immer, dass hinter der nächsten Kurve das Ziel auftaucht und jedesmal geht es noch 30-40-50 Meter höher. Das ist jedenfalls gutes Mentaltraining.

Gegen halb sechs sind wir dann endlich in St. Pankraz und haben auch ein schönes Hotel gefunden. Nach den etwas unpersönlichen Hotels in den etwas größeren Städten bisher ist das Hotel zur Post mit seinen Angestellten so wie ich Südtirol kenne: Nette, zuvorkommende, dankbare Menschen, die einem den Urlaub so angenehm wie möglich machen wollen. Das Hotel ist Spitze. Sauna, Swimming Pool, urigste Gemütlichkeit. Perfekt nach einem solchen anstrengenden Tag.

Später nach dem Abendessen (Pizza - was sonst?), einem gemütlichen Bier und einem netten Gespräch über solche und solche Gäste spendiert uns die Wirtin noch einen Ultner Zirmeler. Ein sehr wohlschmeckender Schnaps, der aus einer Art Tannenzapfen hergestellt und ausschließlich im Ultental gebrannt und verkauft wird.

Und so klingt ein weiterer Etappentag aus. Mehr als die Hälfte der Kilometer haben wir jetzt hinter uns. Riva kommt näher und es ist Sommer.



Freitag, 10. September 2010

Alpencross 2010 - 2. Etappe : Mayrhofen - Sterzing: Auf steinigem Weg

Startzeit:9:23 Uhr
Ankunftszeit:17:55 Uhr
Fahrzeit:5 h 41 min
Distanz:68,9 km
Überwundene Höhe:1701 hm

Heute lassen wir uns wieder halb acht wecken. Ich bin wirklich hochgeschreckt, als das Handy gepiept hat, obwohl ich das Gefühl habe, kaum geschlafen zu haben. Nach der Etappe gestern liegt mein Ruhepuls immer noch bei gefühlten 140. Auch Jens hat sich nach eigenen Angaben im Bett gewälzt wie ein Propeller.

Aufbruch zur zweiten Etappe
Nach einem guten Frühstück im Hotel Victoria starten wir wieder gegen halb zehn. Der erste Kontakt mit dem Sattel ist zugegebenermaßen recht schmerzhaft. Hoffentlich gewöhnt sich das Gesäß noch dran.

Die ersten Kilometer auf dem Hochsteg im Zillertal gehen straff bergan. Das ist auch gut so. Schließlich wollen wir von heute 650 m ununterbrochen bergauf auf den höchsten Punkt unserer Tour, dem Pfitscher Joch auf 2250 m. Nach ungefähr acht Kilometern haben wir dann auch tatsächlich unsere erste Tragepassage. Aber nicht weil es so steil war, sondern weil auf der Straße gebaut wird und wir unsere Räder und Rucksäcke zwischen Felswänden und Baumaschinen durchhieven müssen.

Trail zum Schlegeisspeicher

Kurz hinter Ginzling fahren wir dann abseits der Straße entlang ausgeschilderter Wanderwege. Auf dem Adlerweg zwischen Ginzling und Breitlahner und dem Wanderweg zum Schlegeisspeicher kommt auf jeden Fall richtiges Mountainbike-Feeling auf. Bei 1650 hm geht es dann ein paar pulstreibende Serpentinen hinauf zum Schlegeisspeicher, einem Stausee, von dessen klarem türkisfarbenen Wasser wir schwer beeindruckt sind.

Nach dem Schlegeisspeicher wird der Aufstieg zum Pfitscher Joch auf der Karte zur gestrichelten Linie. Das heißt für MTB-Technik-Greenhörner wie uns: Rad in die Hand und schieben.
Steil und steinig der Weg zum Gipfel
Irgendjemand hat dort auf den schönen Weg ein Haufen Steife hingekippt. Stellenweise versuchen wir zwar, uns in unserer bescheidenen Technik zu üben, aber die meisten der 400 hm schieben wir. Immerhin werden wir von den meisten der vielen uns entgegenkommenden Wanderer regelrecht bewundert: "Was die Jugend von heute alles macht!".

Dass wir einige Kilometer nicht fahren können, dafür bin ich in diesem Moment regelrecht dankbar. Das Laufen zwischendurch ist sehr entspannend für die strapazierten Körperteile, die Kontakt zu Rucksack und Sattel haben. Und es ist auch nicht so anstrengend wie befürchtet. Laufen haben wir schließlich trainiert.

Nur noch eine Rampe!
Kurz vor der Passhöhe erreichen wir noch eine Hochebene in der wir tatsächlich noch ein Stück fahren können. Die letzten Rampen führen über Geröll mit Steinen in Tennis- und Handballgröße und jagen den Puls nochmal ordentlich nach oben. Um 15.15 Uhr nach 32 Kilometern und 1700 Höhenmetern erreichen wir bei 8° C das Pfitscher-Joch-Haus. Endlich Mittag und endlich was Warmes! Als wir nach unserer Pause wieder aufbrechen, weht ein eisiger Wind, das Thermometer am Radcomputer zeigt nur noch 5° C. Ich ziehe alles an, was der Rucksack zu bieten hat und brauche eine Weile bis ich nicht mehr zittere. Spätsommer am Pfitscher Joch.

Blick zurück

Das Pfitscher Joch ist mit 2275 m ü. NN der höchste Punkt der Etappe und auch unserer gesamten Tour. Zum Ziel in Sterzing geht es jetzt 35 km nur noch bergab. Erst auf Forstweg-Serpentinen, ein fantastischer Abfahrtsspaß, dann auf der Straße. Heute gemessene Höchstgeschwindigkeit und damit Rekord: 74,2 km/h. Das hat Laune gemacht!

Hinunter nach Südtirol!

Gegen halb sechs erreichen wir Sterzing. Ein Zimmer bekommen wir im Hotel "Sterzinger Moos". Das schönste hier: Sauna inklusive! Nach finnischer Sauna und türkischem Dampfbad sind wir wie neugeboren. In einer gemütlichen Pizzeria -schließlich sind wir jetzt in Italien- hauen wir uns die Wänste voll, zischen noch ein Bierchen im Hotel und fallen total erschöpft ins Bett.



Donnerstag, 9. September 2010

Alpencross 2010 - 1. Etappe : Tegernsee - Mayrhofen : Marathon mit Rucksack

Startzeit:9:22 Uhr
Ankunftszeit:17:58 Uhr
Fahrzeit:5h 19 min
Distanz:92,1 km
Überwundene Höhe:1016 hm



Endlich geht es los
Halb acht klingelt der Wecker. Das heißt, eigentlich klingelt er gar nicht. Ich bin nämlich schon früher aufgewacht und stelle ihn aus, bevor er klingelt, so aufgeregt bin ich.

Um acht gibt's dann ein ordentliches Frühstück beim Schandl. Der Blick aus dem Fenster verheißt wettertechnisch allerdings noch nichts Gutes. Es schüttet zwar nicht mehr so sehr wie gestern Abend, aber zum Nasswerden reicht es. Doch pünktlich als wir aufbrechen, hört der Regen auf. Und dann rollt sie - unsere Transalp 2010.

Schwer bepackt durch Tirol

Der Weg ist das Ziel
Auf den ersten Kilometern aus Tegernsee heraus tun wir uns noch etwas schwer mit der Orientierung. Deshalb heißt es alle paar Minuten: Anhalten - Rucksack ab - Karte raus - richtige Richtung suchen - Karte rein - Rucksack auf - weiterfahren. Das hat zugegebenermaßen den Schnitt etwas gedrückt, aber wir sind ja im Urlaub. Auf jeden Fall hat sich schon da das laminierte Kartenmaterial bewährt. Ich möchte nicht wissen, wie unsere Karten sonst schon ausgesehen hätten.

Den ersten spürbaren Hinweis, dass wir in den Bergen unterwegs sind, bekommen wir noch acht Kilometern. Wir passieren die Mautstelle auf der Valepper Straße und dann geht's hinauf zur Moni-Alm auf 1100 hm. Aber die Straße ist asphaltiert und einfach zu fahren. Nach der Moni-Alm geht es weiter auf Asphalt nach Valepp und anschließend in schönem Auf und Ab auf Schotterwegen in Richtung Erzherzog-Johann-Klause. Dass wir in der Zwischenzeit die Grenze nach Österreich passiert haben, bekommen wir gar nicht mit.

Nudeln schmecken immer
Unsere Mittagspause machen wir im Kaiserhaus, einer schönen Tiroler Gaststube. Dort gibt's Nudelsuppe mit Würstel und ein schönes Erdinger Alkoholfrei. In der Zwischenzeit haben wir strahlend blauen Himmel. Richtig warm geworden ist auch, so dass die langen Hosen in den Rucksack können. Als wir aufbrechen, ist es allerdings schon halb zwei und wir haben erst 30 km auf der Uhr. Uns beschleichen erste Zweifel, ob wir unser erstes Ziel, Mayrhofen, heute überhaupt noch erreichen. Immerhin liegen noch 65 km vor uns!

Rast im ZillertalIn Kramsach kreuzen wir die Inntal-Autobahn
Vom Kaiserhaus fahren wir weiter in Richtung Kramsach. Unterwegs ist noch ein knackiger Anstieg mit 15 % Steigung zu überwinden, bevor es dann mit Highspeed hinunter ins Inn-Tal geht. Ab Kramsach geht es nun straff vorwärts. Wir fahren ein Stück am Inn entlang und biegen bei Bruck am Ziller ins wunderschöne Zillertal ein. Parallel zu Inn und Ziller ist die Stecke -gut ausgebaute Radwanderwege- absolut flach. Wir kommen zügig voran. Trotzdem lassen wir uns die Zeit nicht nehmen, ab und zu anzuhalten und ein paar Fotos vom Zillertal zu schießen.

Kohlenhydrate tanken
Auf dem Tacho stehen jetzt auch schon 70, 80 Kilometer und langsam macht sich in den Schultern und Beinen bemerkbar, dass sie es nicht gewohnt sind, schwere Rucksäcke durch die Landschaft zu transportieren. Zudem bekommen wir zu spüren, dass auch unser letzter Marathon noch nicht nicht allzulange her ist. Aber wir haben es ja so gewollt. Also tanken wir noch mal Müsliriegel, Cola und Red Bull und gehen die letzten Tageskilometer an.

Nach 90 km Mayrhofen im Blick

Um 17.45 Uhr nach knapp 90 Kilometern liegt Mayrhofen vor uns. Es ist wie eine Erlösung. Wir haben es tatsächlich geschafft. Im Hotel Victoria finden wir ein gemütliches Zimmer, bekommen ein leckeres Essen serviert und relaxen beim obligatorischen Weißbier. Und als würde der Kreis sich schließen, prasselt pünktlich zu unserer Ankunft ein kräftiger Schauer runter. Aber da sind wir zum Glück schon im Trockenen.

Unsere erste Etappe liegt hinter uns. Mit 92 Kilometern und über 1000 Höhenmetern war's auf jeden Fall schon mal mehr als gemütliches Einrollen. Nichtsdestotrotz steht morgen die erste von fünf Königsetappen an. Wir sind gespannt...




Mittwoch, 8. September 2010

Alpencross 2010 - Aufbruch zum Tegernsee

Rad und Rucksäcke in den Kofferraum und dann geht's los
Nun ist der Tag also endlich ran. Heute beginnt unsere Mountain-Bike-Tour über die Alpen.

Am Vormittag muss ich noch den Rucksack packen. Meine Packliste ist schon seit einigen Tagen klar. Aber passt auch alles rein? - Es passt! Der Deuter Transalpin ist ein echtes Raumwunder. Und bequem noch dazu. Die 6 1/2 Kilo verteilen sich angenehm auf dem Rücken.

Mit dem Auto -Rad und Rucksäcke im Kofferraum- geht's dann nach Tegernsee. Jens leiht sein Rad vor Ort aus, und zwar bei Radl-Hautmann in Fischbachau. Der Chef ist sehr freundlich und kompetent. Man merkt, dass er selbst begeisterter Mountainbiker ist. Bei ihm haben wir auch endgültig die im Vorfeld heiß diskutierte Frage klären können: Schutzbleche ans Mountain-Bike, ja oder nein? Natürlich nicht! Wenn es nass ist, muss man sich und Gepäck eh vor Nässe und Schmutz schützen. Außerdem drücken Schutzbleche nicht unerheblich den Coolness-Faktor. ;-)



Die Pulsuhr muss noch ans Rad montiert werden
Die erste Nacht verbringen wir im Gasthof Schandl, in einem einfachen, aber dafür riesengroßen Gästezimmer. Der Chef ist äußerst nett und hat uns einen urigen bayrischen Gasthof, die "Schießstätte", zum Abendessen empfohlen. (Er selbst hat mittwochs Ruhetag.) Typisch bayrisch, lecker und preiswert. Nach einem guten Essen, zwei Weizen und einem riesigen Kaiserschmarrn sind wir energietechnisch gut für unsere morgige Etappe gerüstet.

Nur das Wetter muss besser werden: Der Weg vom Schandl zur Schießstätte war schon die erste Bewährungsprobe für die Regenjacke. Es hat gegossen wie aus Eimern. Das können wir die nächsten Tage nicht gebrauchen.

Morgen geht's dann also richtig los. Ich bin aufgeregt...

Dienstag, 7. September 2010

Alpencross 2010 - Meine Packliste

Nach einigen Recherchen im Netz und diversen Besorgungen habe ich nun alles komplett, was ich auf unsere Tour mitnehmen werde. Und weil ich es ganz genau wissen will, habe ich das Gewicht eines jeden einzelnen Stücks gemessen. Damit ist jetzt klar, wieviel Kilo ich am Rad, am Körper und auf dem Rucksack über die Berge schleppe.

Vielleicht findet's der eine oder andere - auch zum Vergleich - ganz nützlich, deshalb hier meine ganz persönliche Packliste.

Ein Wort noch zu den Karten: Im Vorfeld hatte ich, um unsere Tour komplett abzudecken, acht Kompass-Karten bestellt. Wenn man die alle mitnimmt, kommt einiges an Gewicht zusammen. Außerdem kann man sie vermutlich nach der Tour wegwerfen, wenn man sie in Wind und Regen dreimal auseinander- und dann (womöglich auch noch falsch) wieder zusammengefaltet hat. Deshalb hab ich mir die Mühe gemacht, die für uns interessanten Kartenteile zu scannen, auszudrucken und zu laminieren. Das Papier sollte man beidseitig bedrucken, die Blätter nummerieren und - noch ein Tipp - auf ein Blatt jeweils nur gerade oder nur ungerade Seiten drucken. Dann kann man nämlich auch mal Seite 1 an Seite 2 dranhalten und sich beide gleichzeitig ansehen, was nicht geht, wenn Seite 2 auf der Rückseite ist. ;-)

Statt acht Karten haben wir nun neun laminierte A4-Seiten mit einem Gesamgewicht von nur 170 g.

Hier nun die Liste:
 RückenKörperRad
1 Rucksack 1160 g
1 lange Bikehose275 g
2 kurze Bikehosen140 g180 g
1 Hose für abends900 g
Funktionsunterhemden110 g
1 Fleecepullover250 g
1 Regenjacke155 g
1 Regenhose135 g
Überzieher für die Schuhe100 g
Kopftuch60 g
1 Trikot lang300 g
2 Trikots kurz150 g150 g
1 T-Shirt190 g
Socken90 g
Unterhosen90 g60 g
Badehose100 g
1 kleines Handtuch 250 g
Shampoo, Zahnbürste, Zahnpasta 300 g
1 Sonnencreme (hat Jens)
Kontaktlinsen + Reiniger100 g
Waschmittel(hat Jens)
Karten170 g
1 Taschenmesser (hat Jens)
Geld, Kreditkarte, Pass, Führerschein210 g
Bleistift, Notizbuch40 g
Plastikbeutel
1 Handy mit Ladegerät70 g95 g
1 Kamera + Ladegerät350 g
Stirnlampe75 g
1 Paar Bike-Schuhe1100 g
1 Paar Handschuhe kurz40 g
1 Paar Handschuhe lang50 g
1 Sonnenbrille30 g
1 Helm250 g
1 Pulsgurt70 g
Armtasche für Handy40 g
Erste-Hilfe-Set140 g
Wundspray70 g
Minitool200 g
Pannenspray100 g
Flickzeug20 g
Ersatzschlauch200 g
Luftpumpe100 g
Panzertape120 g
Kabelbinder30 g
2 Trinkflaschen (gefüllt)760 g
Fahrrad-Computer50 g
Vitamin-Tabletten100 g
Mg-Ca-Tabletten100 g
Powergel 2x80 g
Trinkpulver200 g
Summe6830 g2015 g1260 g


Montag, 6. September 2010

Nach dem Lauf ist vor der Tour

Wow, das war also Marathon Nummer zwei - der Heimmarathon. 42,195 km beim 9. Mitteldeutschen Marathon von Spergau -fast vor der Haustür- bis nach Halle. Und es war gut. Verdammt weit zwar, anstrengend, kräftezehrend, stellenweise grausam und quälend - aber trotzdem gut. Unterwegs denke ich manchmal: 'Nie wieder!' Aber mit etwas Abstand überwiegt der Stolz, es wächst die Freude über eine neue Bestzeit und langsam keimt neuer Ehrgeiz auf, beim nächsten Mal noch besser zu sein. Aber jetzt heißt es erstmal für drei Tage Beine hochlegen, denn nach dem Lauf ist vor der Tour. Dann geht's mit dem Mountain Bike über die Alpen.

Das Rennen begann für mich optimal. Es war zwar neblich und vor allen Dingen ziemlich kühl, aber das ist genau mein Wetter. Die ersten Kilometer gingen auch über bekanntes Trainingsgelände. Spergau, Fährendorf, Wengelsdorf - dort bin ich überall schon zu Fuß unterwegs gewesen. Mit dem Heimvorteil unter den Füßen ging's ganz flott vorwärts: 5:10 - 5:20 min/km, so hatte ich's geplant.

Obwohl es streckenweise durch menschenleere Straßenabschnitte ging, war die Stimmung vor allem in den Dörfern und Städten richtig gut. Da spielten Blaskapellen, Sprecher haben Stimmung gemacht und ganze Schulklassen standen am Straßenrand und haben uns angefeuert. Niedlich ist es auch, wenn die Jüngsten begeistert ihre Hand raushalten und sich freuen, wenn sie von den Läufern abgeklatscht werden. Das macht richtig Spaß. Auch die vielen Helfer an den Verpflegungsständen haben sich richtig reingehängt. An einem hat mir eine zugerufen: "Los, Matthias!", und ich hab bestimmt zwei Kilometer gegrübelt: 'Woher kennt sie mich nur?' Dann ist es mir eingefallen: Auf der Startnummer waren ja die Namen aufgedruckt...

Und so ging's locker weiter. Einen Becherchen Wasser an jedem Stand, ein Magnesium hier, ein Powergel dort. Halbmarathon-Zeit 1:50 h, alles im Plan.

Schwerer wurde es ab Kilometer 30. Da fängt es langsam an, hier und da weh zu tun. Da fängt man an zu lauschen, ob nicht schon irgendwo ein Krampf lauert und die ersten Blasen an den Zehen melden auch, dass sie eigentlich noch mehr Platz im Schuh bräuchten. Aber in Holleben bei km 32 stand Andreas an der Strecke und hat mich noch mal nach vorn gepeitscht. Ich war immernoch bei 5:30-5:40 min/km und damit auf 3:45-Kurs.

Der Einbruch kam dann doch. Bei km 38 waren die Akkus leer. Ich wollte eigentlich durchlaufen, aber es ging nicht. Die vier Kilometer lange Magistrale, gefühlte 500 m breit und Straße bis zum Horizont, gleißende Sonne, Schmerzen von den Schultern abwärts, die Zielzeit schwindend - das ist alles ziemlich niederschmetternd. Bis...

Ja, bis man kurz vor sich seine Kollegen und Leidensgefährten erkennt. 1000 m vor dem Ziel hatte ich (unverhofft, denn der Halbmarathonstart hat sich um einiges verzögert) Karsten und Sebastian im Visier. Plötzlich sind alle Leiden vergessen. Der Zielspurt gegen Sebastian war ein Kampf auf Leben und Tod, keine Zehntelsekunde haben wir einander gegönnt. Am Ende war es ein Fotofinish. Allerdings gibt es kein Foto, auf dem der Sieger ermittelt werden kann. Sebastian, Glückwunsch zu diesem Unentschieden ;-P

Das schönste an einem Marathon ist, wenn man im Ziel ist. Was da im Kopf passiert ist überwältigend und schwer in Worte zu fassen. Stolz, Erlösung, Freude - und noch viel, viel mehr. Dieses Mal konnte ich sogar meiner Kerstin in die Arme sinken. Danke dafür und dass du diesen ganzen Flitz so geduldig erträgst!

3:53:09 h bin ich übrigens gelaufen, fünf Minuten schneller als in Prag. Eigentlich wollte ich ja 3:45 h schaffen. Und deshalb wird das wohl nicht mein letzter Marathon gewesen sein...