Samstag, 21. August 2010

Alpencross 2010 - Teil I - Von der Idee zum Plan


Seit ich die ersten Kilometer auf meinem Mountainbike gekurbelt habe, geistert die Idee in meinem Kopf herum: Einmal eine richtige Tour über richtige Berge. Eine Tour durch Wind und Wetter, mit hunderten Höhenmetern bergauf und -ab, mit der Quälerei den Berg hinauf, Natur bezwingen und Natur genießen, und mit der einzig wahren Geschwindigkeit hinab ins Tal. Einmal wenigstens will ich mit dem Rad über die Alpen!

Und nun wird es bald soweit sein. Aus der Idee ist ein Plan geworden. In den letzten Wochen haben wir Strecken recherchiert und Packlisten verglichen, zig Internetseiten angeklickt und Forumsbeiträge gelesen und viele Bilder und Videos angekuckt, die die Vorfreude ins Unermessliche treiben.

Und nun steht der Plan: Am 8. September 2010 geht es los. Dann starten Jens und ich nach Tegernsee, um von dort aus die Alpen in Richtung Riva zu bezwingen. Auf sechs Tagesetappen wollen wir 380 km und knapp 9000 hm überwinden. Das wird unsere Strecke sein:

  • 09. September: Tegernsee - Mayrhofen

  • 10. September: Mayrhofen - Pfitscher Joch - Sterzing

  • 11. September: Sterzing - Jaufenpass - Meran - St. Pankraz

  • 12. September: St. Pankraz - Brezner Joch - Male

  • 13. September: Male - Passo Bregn da L'Ors - Lomaso

  • 14. September: Lomaso - Riva del Garda

Diese Streckenführung hat zwar den einen oder anderen Anstieg im Programm, sollte aber dennoch für uns als AlpenX-Einsteiger nicht zu schwierig sein.

Was nimmt man mit auf so eine Tour? Packlisten findet man im Internet in Hülle und Fülle. Zum Beispiel beim Transalp-Guru Carsten Schymik, der auch jede Menge andere Tipps hat (Passdatenbank!) oder auch bei Daniel Bolender, auf dessen Seite sehr schöne Tourberichte zu finden sind. In den letzten Wochen hab ich mir nach und nach alles besorgt, was man so mitnehmen sollte: Von der ultraleichten Montane-Regenbekleidung bis hin zu Kabelbinder und Panzertape. Das alles wird untergebracht in einem nagelneuen Deuter Trans Alpine 30, der laut verschiendenster Testberichte wohl der beste Bike-Rucksack der Welt ist.

Zweieinhalb Wochen sind es nun noch. Der Rucksack ist fast schon gepackt, die Kompass-Karten ausführlich studiert. Jetzt kann's langsam losgehen.

Ach so. Ein Highlight kommt natürlich vorher noch: Am 05. September ist Mitteldeutscher Marathon. 42 Kilometer von Spergau nach Halle. Wenn das nicht die ideale Transalp-Vorbereitung ist...

Donnerstag, 13. Mai 2010

„Der Schmerz geht – der Stolz bleibt“

Ich bin Marathonläufer! 42,195 Kilometer voller Emotionen liegen hinter mir. Ich hab’s geschafft. In 3:58:05 h. Knapp vier Stunden mit Höhen und Tiefen, mit Freude und Schmerz. Das Marathon-Wochenende in Prag – mein erster Marathon - war ein Erlebnis mit Gänsehaut…

Start mit Smetanas „Moldau“
Seit Wochen fiebern wir diesem Tag entgegen. Als ich mich am Sonntag-Morgen mit Jens zusammen vom Hotel in die Prager Innenstadt aufmache, bin ich aufgeregt, wie selten zuvor. Nach vielen Monaten Training bin ich unheimlich auf diesen, meinen ersten Marathon fixiert. Heute musste einfach alles gut klappen.

Es ist phantastisches Wetter, als wir auf dem Altstadtring ankommen und uns auf die Suche nach unserem Startblock machen. 7.500 Läufer sind am Start, und so hab ich ein gutes Stückchen Weg zurückzulegen, bis ich das Schild mit meinem Startnummernbereich entdecke. Später brauche ich nach dem Startschuss acht Minuten, um überhaupt erst mal die Startlinie zu überqueren.

Bis zum Start sind noch ein paar Minuten Zeit. Ich sauge die Kulisse in mich auf: Strahlend blauer Himmel, tausende Läufer aus aller Herren Länder dicht an dicht in den Gassen der wunderschönen Prager Innenstadt. Aus den Lautsprechern stimmungsvoller, tschechischer Wortschwall.

Dann ist es soweit. Ein Startschuss ist nicht zu hören, dazu ist der Start zu weit weg. Aber die Menschenmenge setzt sich langsam in Bewegung. Jubel brandet auf. Aus den Lautsprechern – und jetzt bekomme ich richtig Gänsehaut – begleitet uns auf den ersten Metern Smetanas Moldau. Das ist perfekt: Die Musik, die jubelnden Menschen, die Sonne, diese wunderschöne Stadt. Es geht los, ich laufe Marathon.

Die erste Hälfte zum Genießen
Die Streckenführung gefällt mir. Es geht aus der Innenstadt hinaus über die Moldau in Richtung Norden und nach ca. 10 Kilometern wieder über die Moldau zurück und noch einmal durch den Start-Ziel-Bereich in Prags Zentrum. Diese ersten Kilometer sind richtig zum Genießen. Vorbei an Prags Sehenswürdigkeiten, der Blick auf die Moldau, die Karlsbrücke. Am Straßenrand begeisterte Menschen und Musikbands, die mit Sambarhythmen die Läufer antreiben. Viele Leute haben Plakate gemalt. Eines davon berührt mich: „Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.“ Einen Marathon zu laufen, sich dieser Herausforderung zu stellen, sich selbst zu bezwingen, das ist etwas Besonderes. Und ues ist etwas, das einem, wenn man es einmal geschafft hat, niemand mehr nehmen kann. Man kann immer stolz darauf sein.

So zu laufen macht Spaß. Es fällt mir gar nicht schwer, das Rennen so anzugehen, wie ich’s mir vorgenommen hatte: Relativ zügig, aber nicht zu schnell. Die ersten Kilometer laufe ich alle um die 5:15 min, später dann sogar um die 5:00. Als Verpflegung hatte ich mir sechs Powerbar-Gels eingepackt, die quetsche ich mir ab Kilometer 10 alle 5 Kilometer rein. Die sind richtig lecker. Alle zweieinhalb Kilometer kommt ein Verpflegungsstand, an dem ich mir einen Becher Wasser gönne. Alles läuft nach Plan.

Kilometer zäh wie Kaugummi
Nach der Altstadt-Runde geht es an der Moldau entlang stadtauswärts. Genau nach Halbmarathon-Distanz kommt ein Wendepunkt. Als ich den passiere, zeigt die Uhr 1:51:58 h. Nicht schlecht. Die Hälfte ist geschafft, die letzten Kilometer sind regelrecht vorbeigeflogen, ich fühl mich gut. Jetzt nochmal das Ganze und am Ende steht eine 3:45 h auf der Urkunde.

Aber so einfach ist es nicht.

Nach zwei Stunden Laufzeit geht es nun langsam auf Mittag zu. Die Sonne meint es nach wie vor richtig gut. Ab km 25 beginnen die Beine schwerer zu werden. Nicht so, dass man sich sorgen muss, aber die Kilometerzeit steigt auf 5:30 min. Bei km 28 nehme ich mir das erste Mal ein bisschen mehr Zeit, einen Wasserbecher vom Verpflegungstisch zu greifen. Bei km 32 überschreite ich eine Grenze: Noch nie bin ich so weit gelaufen. Was ich jetzt zu spüren beginne ist: Mein Körper will auch nicht so weit laufen. Nach drei Stunden hat er genug. Er will anhalten und stehenbleiben. Der Kampf zwischen Körper und Willen ist eröffnet. Ich beginne die Kilometer rückwärts zu zählen.

Noch 10… Fast noch eine ganze Stunde. Es macht keinen Spaß mehr. Warum tust du dir das an?

Noch 9,… Es vergehen Ewigkeiten von einem Kilometerschild bis zum nächsten. Immer wieder rechne ich die Kilometerzeiten auf die Zielzeit hoch. Der Puffer auf die Unter-4-h-Zeit schmilzt dahin. An 3:45 h ist nicht mehr zu denken.

Noch 6 … Es ist noch so weit. Ich hab auch keine Lust mehr, mir schon wieder so ein widerliches Gel reinzudrängeln. Und wann kommt endlich wieder eine Verpflegungsstation, ich hab solchen Durst! Ich kann nicht mehr! Ich muss ein Stückchen gehen. Nur ein kleines Stück!

Noch 4 Kilometer. Lauf, lauf, lauf!

„Zieh nochmal, Junge!“
Zwei Kilometer vor dem Ziel weiß ich: Wenn ich unter vier Stunden bleiben will, bleibt nicht mehr viel Zeit. 3:46 h zeigt die Uhr, als ich das 40-km-Schild passiere. Noch mehr Gehpausen, dann ist die Unter-4-Stunden-Zeit futsch. Also: ‚Reiß dich nochmal zusammen! Beiße! Kämpfe! Es kann doch nicht alles umsonst gewesen sein.‘ Bei Kilometer 41 zeigt die Uhr 3:52 h. Noch 1200 m, es ist noch alles drin. Aber noch bin ich nicht auf der Zielgeraden. Dann kommt die letzte Kurve. Jetzt geht’s nur noch geradeaus. Am Straßenrand stehen hunderte Menschen, jubeln, feiern jeden einzelnen Läufer. Ein unbeschreibliches Gefühl! 3:56 h auf der Uhr. Ich kann das Ziel noch nicht sehen. Ich muss noch mal anziehen. Aus der Menge hör ich jemanden rufen: „Komm Matthias, zieh noch mal, Junge!“ Ich entdecke Jens, der schon angekommen war (nach 3:10:08 h!) Jetzt, wenige Meter vor dem Ziel treibt er mich noch mal nach vorne. Später seh‘ ich auf den Fotos, dass ich ein Lachen im Gesicht habe. Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Eins weiß ich aber noch: Irgendwann kam das Ziel in Sicht. 3:57 h, nur noch ein paar Meter! Innerlich jubelnd laufe ich dem Ziel entgegen. Die Erlösung ist nah. Im Ziel balle ich die Fäuste. Die Arme nach oben zu reißen, dafür reicht die Kraft nicht mehr. Als ich die Linie überquere, steht fest: Meinen ersten Marathon schaffe ich in weniger als vier Stunden: 3:58:05 h stehen am Ende auf der Uhr.


Ich bin am Ziel. Ich habe einen weiten Weg hinter mich gebracht. Mir tut alles weh. Ich bin voller Stolz. Und eins weiß ich: Der Schmerz geht, der Stolz bleibt.

Samstag, 8. Mai 2010

Prag – wir kommen!

Endlich ist das Warten vorbei. In ein paar Minuten steigen wir ins Auto und dann geht es auf den Weg nach Prag. Seit etlichen Tagen sind wir schon ganz hibbelig. Aber nun geht es endlich los.

Sämtliche Checklisten sind abgehakt. Die Strecke ist studiert, die Powerbar-Gel-Packs eingeteilt, auch den Reiseführer hab ich eingepackt. Es kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Sechs Monate haben wir trainiert wie noch nie zuvor. Bei Wind und Wetter, bei Kälte und bei Dunkelheit. 75 Trainingseinheiten sind zusammengekommen mit insgesamt 931 Kilometern. Eine Sprunggelenksverletzung hab ich überstanden und je eine neue Bestzeit über 10 km und auf der Halbmarathon-Strecke erreicht.

Nun kommt der ganz große Wettkampf. Ich freu‘ mich. Drückt mir die Daumen!

Sonntag, 2. Mai 2010

Auf der Suche nach der optimalen Marathon-Taktik

Es beginnt zu kribbeln. Nicht mehr in Wochen, sondern in Tagen, bald nur noch in Stunden wird der Countdown zur Marathonpremiere runtergezählt. 7 Tage sind es nun nur noch.

In den letzten Tagen mach' ich mir mehr und mehr Gedanken über die optimale Renntaktik. Potenzielle Kilometerzeiten werden in Excel-Tabellen auf Zielzeiten hoch und runtergerechnet. Es wird abgewägt zwischen 51/49-Regel, degressiver Renntaktik oder MARCO-Strategie. Sollte ich langsam anfangen, um ausreichend Körner bis zum Schluss zu haben? Oder doch zuerst schneller laufen und dann schauen, hinter welchem Kilometerschild der Hammer-Mann lauert?

Mein Favorit ist der folgende Plan: Mit 5:10 min/km will ich loslaufen und dieses Tempo so lange wie möglich halten. 25 km sollten gehen, vielleicht 30, den Rest will ich möglichst locker ins Ziel bringen. Trainiert hab ich gut, ich fühl mich gut, und in Prag vertraue ich außerdem auf die Sportfreunde Adrenalin, Serotonin und Endorphin!

Noch sieben Tage. Ich bin voller Vorfreude.

(Image Credit: Run Stella Run by Laertes licensed by Creative Commons 2.0)

Mittwoch, 28. April 2010

Spaßwettkampf im Geiseltal

Start zum 8. Geiseltalduathlon
(Quelle: www.braunsbetria.de)
Zwei Wochen vorm Tag der Entscheidung in Prag stand noch mal ein Test-Wettkampf auf dem Trainingsplan. Diesmal haben wir uns mal was neues ausgekuckt: eine Teilnahme am 8. Geiseltalduathlon.

Angelehnt an den Triathlon ist der Duathlon ein Wettkampf über drei Teilabschnitte, in unserem Fall 5 km Laufen, 22 km Radfahren und nochmal 2,5 km Laufen. Mit meiner Gesamtzeit von 1:33:47 h lag ich zwar ziemlich weit hinten. Trotzdem hat diese neue Herausforderung 'ne Menge Spaß gemacht. Die interessanteste Erfahrung war es, nach 50 min kurbeln auf dem Rad wieder in einen gewohnten Laufschritt zu kommen. Das ist gar nicht so einfach, wenn die Waden dann wie Pudding sind.

Gelernt hab ich auch, dass man mit einem Mountainbike bei so einem Wettkampf keine Chance hat. Ich hatte mit Abstand die schlechteste Radzeit, obwohl ich getrampelt hab wie ein Ochse. Immerhin konnte ich auf dem zweiten Laufabschnitt noch ein paar Rennmaschinenfahrer wieder einholen und so bin nicht ganz als Letzter über die Ziellinie.

Alles in allem war's ein schöner Spaß-Wettkampf zur Abwechselung, der Lust auf mehr macht. Mitte Juli ist der Geiseltaltriathlon. Mal sehn, vielleicht bin ich da auch dabei. Fragt sich nur, wo ich noch ein Rennrad herkriege...

Freitag, 2. April 2010

Skiwochenende im Ahrntal

Jetzt ist es fast schon Tradition – zum dritten Mal waren wir mit ein paar Kollegen und Kumpels vom Fußball am Vorosterwochenende zum Skifahren im Ahrntal. Im Tal war schon Frühling, auf dem Berg aber noch ordentlich Schnee. Und so hatten wir unsern Spaß auf der Piste...



... und im Sonnenstuhl.


Spannend war die Talabfahrt am Speikboden: Im sulzigen Schnee haben sich dort Haufen und Rinnen und Furchen gebildet. Damit hatten wir auf vier, fünf Kilometern eine Buckelpiste vom Feinsten. Wenn man die in den Beinen hatte, macht Aprés Ski noch mehr Spaß.



Die anderen Bilder gibt's hier.

Donnerstag, 1. April 2010

Von langen Läufen und der RideShots-Beschleunigung

In jedem seriösen Marathon-Trainingsplan findet man Laufeinheiten, die den Läufer schrittweise an die Marathon-Distanz heranführen. Diese Läufe stehen meist am Wochenende auf dem Programm, und so steigert man sich von Sonntag zu Sonntag von anfänglichen 20 km auf über 30 km bis kurz vorm Wettkampf. Der Lange Lauf wird langsam gelaufen, in gemütlichem Tempo. Und fast könnte man meinen, wer 20 km läuft, für den sind 30 auch kein Problem. Erst recht, wenn’s schön langsam geht. Hab ich auch gedacht.

Ein paar Mal hab ich jetzt diesen langen Sonntagslauf gemacht. 30 km am Stück ist auch persönlicher Streckenrekord. Über drei Stunden bin ich dafür unterwegs. Wichtig ist, dass man da was zu trinken dabei hat. Vielleicht auch den einen oder anderen Energie-Nachschub. Ich hab letztens mal PowerBar RideShots ausprobiert – kleine Gummi-Dragees zum Lutschen. Mit Koffein-Füllung. Was mir bis dahin nicht klar war: Es ist unwahrscheinlich, wie sehr Koffein nach dem 20. Kilometer die Verdauung anregen kann. Zum Glück gab es an der Strecke eine Sporthalle mit Toiletten. Ich erreichte sie in letzter Not.

Neben der Erfahrung, wie der Körper in der einen oder anderen Situation auf so einer Distanz reagiert, ist der Lange Lauf nicht nur körperliches, sondern auch mentales Training. Ich finde 30 Kilometer schon verdammt weit. Ich muss mich aufraffen und es ist eine Quälerei. Zwei, zweieinhalb Stunden zu laufen geht ohne Schwierigkeit. Danach beginnt die Herausforderung: Die Beine werden schwer, der Körper müde, der innere Schweinehund bäumt sich auf. Dann hämmert es im Kopf: Lauf, lauf, lauf … Du hast es fast geschafft! - Aber es ist verdammt anstrengend. Wenn ich dann völlig geplättet zu Hause ankomme, denke ich dran, dass ein Marathon nochmal 12 km länger ist. Das ist sehr, sehr weit…

Noch 39 Tage bis zum Marathon! Macht mir Mut!